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PALplus-Verfahren

Verfahren, das Anfang der 90er Jahre vor allem deshalb entwickelt wurde, um Programme im Bildseitenverhältnis von 16:9 in guter technischer Qualität und kompatibel zum PAL-Verfahren ausstrahlen zu können. Dies ist aber nur für die analoge Fernsehausstrahlung möglich.

Als Ursprung ist dazu Material im 16:9-Vollformat erforderlich. Das Fernsehsignal wird dann so verschlüsselt, dass ein Zuschauer mit einem 16:9-Fernsehgerät, das über einen PALplus-Decoder verfügt, die volle Bildqualität mit einer vertikalen Auflösung von 576 Zeilen sehen kann. Der gesamte 16:9-Bildschirm ist dann ausgenutzt. Zuschauer mit einem 4:3-Fernsehgerät erhalten aus dem PALplus-Signal nur ein 16:9-Bild mit einer reduzierten vertikalen Auflösung von etwa 432 Zeilen, die übrigen Zeilen am oberen und unteren Bildrand sind schwarz. Zuschauer, die über ein 16:9-Gerät, aber ohne PALplus-Decoder verfügen, erhalten ebenfalls nur ein 16:9-Bild mit 432 Zeilen. Dieses Bild hat dann schwarze Balken oben und unten und wegen des Seitenverhältnisses des Displays von 16:9 auch links und rechts. Die Fernsehgeräte blasen das Bild entsprechend auf, so dass zwar keine schwarzen Ränder mehr zu sehen sind, jedoch die gesamte Bildschärfe zum Teil erheblich leidet. Immerhin ist das Bildformat von 16:9 dann dem Format des Fernsehgerätes angepasst.

Die technische Verbesserung bei PALplus hat zunächst nichts mit einem Bildseitenverhältnis zu tun, sondern besteht im Wesentlichen aus einer Vorfilterung des Videosignals im PALplus-Coder, so dass der PALplus-Empfänger gegenüber dem PAL-Empfänger eine höhere Luma-Bandbreite gewinnt. Dieses Verfahren heißt Motion Adaptive Colour Plus. Die gewonnene Bandbreite wird dazu genutzt, 16:9-Programme mit einer im Vergleich zu 4:3-Programmen ähnlichen Auflösung senden zu können. Die Vorfilterung reduziert aber gleichzeitig auch drastisch die Cross Colour-Störung und dies unabhängig vom Bildseitenverhältnis.

Wird ein 16:9-Signal gesendet, werden die 576 Zeilen des 16:9-Vollformat-Bildes in ein so genanntes Kernbildsignal von 432 Zeilen und in ein Helpersignal mit 144 Zeilen aufgeteilt. Dazu wird dem Videosignal jede vierte Zeile entnommen und innerhalb der Helperzeilen abgelegt. Je 72 Helperzeilen werden oberhalb und unterhalb des Kernbildes übertragen. Das Kernbild selbst stellt dann ein geometrisch korrektes Bild mit verminderter Auflösung dar, die Helperzeilen können von 4:3-Fernsehempfängern nicht interpretiert werden und erscheinen schwarz, ähnlich einem 4:3-Letterbox-Bild. Dies gilt sinngemäß auch für 16:9-Displays ohne PALplus-Decoder, wie bereits oben beschrieben.

Echte PALplus-Empfänger decodieren die Helperzeilen und rücken diese wieder an ihren ursprünglichen Platz. Damit wird ein anamorphotisches Bild nach dem 16:9-Vollformat mit 576 Zeilen erzeugt, das im16:9-Display des PALplus-Gerätes geometrisch korrekt wiedergegeben wird.

Da 16:9 nur eine Option von PALplus ist, leisten sich einige Sender die Ausstrahlung sämtlicher Programme über den PALplus-Coder und schalten bei 16:9-Sendungen das Prozessing für die Zeilen zu und die Signalisation für die Consumer-Geräte ein. Für die analoge und die digitale Fernsehausstrahlung muss dann nur ein Signal, nämlich das 16:9-Vollformat zugeführt werden. PALplus-Geräte waren wegeb ihres hohen Preises nicht sehr verbreitet. Da analoge Sendewege zugunsten der DVB-Standards abgeschafft wurden, spielt das PALplus-Verfahren keine Rolle mehr.

©BET-Fachwörterbuch 1992-2019. Nur für den persönlichen Gebrauch. Jede weitere Verwertung ist untersagt. Geändert am 10.03.2016

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